Meine letzten Monate in Teremendo

Donnerstag, 31.01.2013

Am 6. November habe ich ja erfahren, dass ich innerhalb der naechsten Tage mein Dorf verlassen muss. Diese naechsten Tage zogen sich informationslos in die Laenge, es war echt nervig!! Ich habe meinen Schuelern quasi jeden Tag gesagt, dass es die letzte Stunde sein koennte und wartete auf Nachrichten.
Irgendwann kam die E-Mail, dass wir uns alle am 28. November in Morelia treffen und dort einen gemeinsamen Seminartag mit allen Freiwilligen, den mexikanischen Mentoren und den deutschen Betreuern (die wegen eines Teamerseminars in Mexiko waren) haben.
Gleichzeitig las man von Vivemexico auf Facebook Posts, die einer Umfrage gleichkamen: "Wir suchen Morelianer, die fuer 6, 8 oder 9 Monate eine(n) Deutsche(n) aufnehmen." Unverstaendlicherweise haben sich wohl nicht soo viele Mexikaner fuer die Aufnahme entschieden, denn leider fehlten auch hier die Informationen.
Im Nachhinein fand ich den November sehr schoen in Teremendo. Dadurch dass ich nicht wusste, wann ich wegmuss, habe ich alles viel mehr genossen.
Beim Desfile de la Revolución habe ich mich ueberhaupt nicht mehr unwohl gefuehlt, sogar beim Acto Cívico habe ich mir meine Hand an die Brust gehalten :D Das einzige, was ich nie machen werde, ist beim Gruss an die Flagge, meine Hand wie einen Hitlergruss von mir zu strecken.
Der Kindergeburtstag, auf dem ich eingeladen war, war nicht so spannend. Ich verstehe einfach nicht, wieso auf einem Kindergeburtstag mehr Erwachsene als Kinder eingeladen sind.
Santa Cecilia war auch eher eine Enttaeuschung, es gab weder Jaripeo noch Baile und dabei wurde es mir als eines der groessten und schoensten Feste beschrieben.
Am Freitag bin ich dann mit Yessi und Angélica nach Morelia gefahren. Da die beiden ihren Eltern die Unwahrheit ueber unseren Aufenthalt erzaehlt haben, musste ich mir fuer meine Gastmutter auch eine Ausrede einfallen lassen. Es ist schliesslich leichter, um Verzeihung zu bitten als um Erlaubnis.
In Morelia haben wir in einem total heruntergekommenen Haus uebernachtet, das eine ehemalige Direktorin den Schuelern, die studieren wollen zur Verfuegung gestellt hat. Dort haben wir uns mit Laura getroffen, uns fertig gemacht und sind dann erstmal auf den Zuckerrohrmarkt gefahren, der gleichzeitig eine Art Volksfest war. Danach fuhren wir eiter in eine Bar, in der Bandamusik gespielt wurde - live!! Wir sassen da und tranken Bier und tanzten.
Gegen 2 Uhr nachts fuhren wir dann endlich zurueck. Bandamusik ist eben echt nicht meines und ich habe mittlerweile das Gefuehl, dass alle Typen die Bandamusik moegen und dazu tanzen und Maedels auffordern einen totalen Schlag haben.
Die Woche darauf ist eigentlich nicht viel passiert. Das einzige Spannende war, dass ich von einem Hund gebissen wurde. Der war total klein und hat sich dann knapp unter meinem Hintern festgebissen und fiel nach ein paar Tritten meinerseits wieder runter. Daraufhin machten wir uns schleunigst auf den Weg zum Gesundheitszentrum, doch leider war niemand da.
Also bin ich am naechsten Morgen mit Yessi zum Arzt gegangen, der sich meine Wunde eigentlich gar nicht anschauen wollte. Schliesslich hat er doch eingewilligt und ich beginne, meine Hose aufzuknoepfen. Der Arzt kuckt mich an, als waere ich von allen guten Geistern verlassen und meint: "Du kannst sie auchhochkrempeln" Ich daraufhin: "aber nicht so weit, so ist es einfacher". Er blickt mir leicht verzweifelt in die Augen, betrachtet eine Millisekunde meine Hose, raeuspert sich und meint: "Du kannst dich wieder anziehen" :D :D 
Ich habe mich anschliessend nicht mehr eingekriegt vor Lachen. Was ist das denn bitte fuer ein Arzt, dem es peinlich ist, wenn man die Hose vor ihm auszieht.
Letzten Endes war der Hund aber geimpft und somit geht es mi blendend, die Wunde ist wieder verheilt.
Zur Jornada Deportiva bin ich dann nachgekommen und habe Teremendo mit angefeuert, denn mitspielen durfte ich nicht.
Am 28. November haben wir uns dann letzten Endes in Morelia getroffen und ich habe Caro von meinem Gastfamilienproblem berichtet.
Auf dem Seminartag haben wir Freiwillige uns mithilfe unserer deutschen Teamer bei Vivemexico beschwert. Wir wollten wissen, warum unsere E-Mails nicht beantwortet werden (angeblich ist staendig das Postfach kaputt oder E-Mails gehen seltsamerweise verloren), warum sie uns keine Informationen ueber den Wechsel gegeben haben (daran ist alleine Deutschland Schuld, die wollten schliesslich den Wechsel), warum unsere Gastfamilien immernoch kein Geld bekommen haben, denn theoretisch stehen ihnen von Deutschland her jeden Monat 600 Pesos zu, die ein kleines Dankeschoen fuer die Aufnahme sind (waere das mit dem Wechsel nicht gekommen, dann haetten sie das Geld schon laengst bekommen), warum unsere Direktoren nicht ueber den Wechsel informiert wurden (wir werden ihnen einen Brief schreiben, wenn alles ein bisschen klarer ist), ... das groesste Versprechen, das sie uns daraufhin gemacht haben, war, dass sie alles aendern werden. 
Zu unseren ganzen Beschwerden: Unsere Gastfamilien haben immernoch kein Geld bekommen, was ich unmoeglich finde. Meine Direktorin wurde bis heute nicht informiert, warum ich nicht mehr da bin.
Die erste Dezemberwoche war dann gleich wieder Seminar, diesmal nur mit Vivemexico und wir haben uns nicht mehr ernstgenommen gefuehlt. Alle halbe Stunde war Coffee Break, wir hatten staendig Pause von den achsoanstrengenden Themen. Und die Themen, die uns interessiert haben, wurden nur kurz angeschnitten.
Ich habe mich letzten Endes dagegen entschieden, Familie noch fuer die letzten paar Tage zu wechseln und habe das auch Vivemexico mitgeteilt.
Sie haben mir versprochen, mir dann bei meinem Umzug nach Morelia zu helfen und meiner Gastfamilie persoenlich das Geld vorbeizubringen und eine Entschuldigung, warum ich gehen muss.
Auf dem Seminar selbst wurde ein Drittel der Deutschen krank. Die Unterkunft war naemlich eine "oekologische" Hacienda oberhalb des Lago de Patzcuaro, also ca. auf 2300 m Hoehe. Wir haben ohne Ende gefroren, denn leider gab es nur warmes Wasser zwischen 8 und 9 Uhr morgens und 15 und 16 Uhr nachmittags, unter der Bedingung, dass der Boiler angestellt wurde, was nicht so haeufig der Fall war. Ansonsten sollte es theoretisch immer warmes Wasser durch die Solarzellen geben. Wenn aber keine Sonne da ist, dann gibt's eben auch kein warmes Wasser. Natuerlich war auch alles ohne Heizung ausgestattet und in der Umgebung gab es nur Wald. Der Raum, in dem wir immer gegessen haben und den Grossteil des Seminars verbracht haben, war ein Pavillon,  der im Sommer bestimmt recht gemuetlich ist, aber durch die fehlenden Waende auch keine Waerme spenden konnte.
Ich war froh, an dem Samstag wieder gen Teremendo fahren zu koennen. Erst war ich in Tarehuicho, weil der 8. Dezember Día de la Concepción ist und das ist die Schutzpatronin Tarehuichos, weswegen dort ein Baile veranstaltet wurde.
Am 9. Dezember fuhr ich dann nach Teremendo und ging auf den Jaripeo und abends auf den Baile.
Am 10. Dezember, dem Montag fiel ich mittags mit Fieber ins Bett und lag erstmal bis Mittwoch flach. Ich war total traurig, weil ich doch in die Prepa wollte, um bei meinen Schuelern zu sein. Am Mittwoch, dem 12. Dezember kam Anna, weil das ein Feiertag war, Día de la Virgen. Der wird in granz Mexiko gross mit Prozessionen und so weiter gefeiert. In Teremendo ist das nicht ganz so besonders, schliesslich ist jeden 12. eines Monats Día de la VIrgen.
Am Donnerstag konnte ich dann wieder in die Schule - und dann kam die Enttaeuschung, dass die Examen angefangen haben, weswegen die Schueler sich um 10 schon wieder auf den Heimweg machten. Ich habe Donnerstag, Freitag, Sonntag und Montag das Wandbild weitergemalt, teilweise mit Hilfe, doch die meiste Zeit eigentlich alleine.
Am Montag waren dann die Posadas in der Primaria, das heisst, es wurde eine Piñata zerschlagen und die Kinder haben Aguinaldos (also Suessigkeitensaeckchen bekommen). Am Dienstag waren dann die Posadas in der Prepa und damit auch mein allerletzter Schultag dort. Es hat ewig gedauert, bis es endlich anfing. Wir gammelten eigentlich nur rum und dann wurden auch Piñatas zerschlagen und wir haben die Geschenke untereinander verteilt. Ich habe ein pinkes T-Shirt bekommen, bei dem ich mir nicht sicher bin, ob es falsch geschnitten ist oder so schief gehoert.
Am 16. Dezember fingen in Teremendo die Posadas an, das bedeutet, gegen 5 begann der Gottesdienst, in dem das ganze Ave Maria durchgebetet wurde. Anschliessend zog man durch das Dorf, klopfte an ein paar Tueren, wie Maria und Josef und sang Lieder vor. Dann ging es wieder zurueck zur Kirche und es wurden noch ein paar Lieder gesungen und fuer alle Teilnehmer gab es Aguinaldos (das war der Grund, warum so viele Menschen gekommen sind).
Uebrigens kam mein Gastvater am 11. Dezember nach Hause. Seitdem hat sich einiges geaendert: es gab nicht immer nur Huehnerbruehe, sondern auch mal anderes Fleisch, ausserdem wurde immer der Boiler zum Duschen angemacht, das heisst, wir mussten uns kein Wasser mehr ueber den Kopf giessen. Abgesehen davon gab es dann einen Lichtschalter im Bad und Licht! Und er hat ein Fenster im Zimmer meiner Gastschwestern eingebaut.
Die Tage vor Weihnachten habe ich groesstenteils bei Yessi verbracht, ich habe Mais entkoernt, wovon ich mir eine Blase geholt habe, die mindestens genauso dick war, wie mein Daumen, wir haben den Chambelanes von Briseida weiter tanzen beigebracht, ... am Freitag, dem 21. bin ich nach Tzintzimacato zu Vicky gefahren, um mit ihr am 22. auf die Hochzeit in einem anderen Rancho namens Zajo zu gehen. 
Die Hochzeit war sehr interessant. Da der Baile der Hochzeit schon um 8 zu Ende war, sind wir dann von Zajo nach La Alberca gefahren um dort auf dem Quinzeaños eines Maedchens weiterzutanzen. Dort habe ich eigentlich mit jedem nur einen Tanz getanzt und mich dann wieder an den Rand gestellt, bis ich einen Typen aus San Diego kennengelernt habe, mit dem ich mich auf Englisch/Spanisch unterhalten habe und der sich dann als mein Gastcousin herausgestellt hat. Trotzdem war es schoen, nochmal mit einem anderen "Fremden" zu reden.
Am 23. bin ich frueh nach Teremendo zurueck gefahren, um Angélica und Yessi bei den Vorbereitungen fuer Briseidas Quinzeaños zu helfen. Dieser Geburtstag hat mir sehr gut gefallen, weil ich helfen konnte. Mir wurden immer wieder Sachen in die Hand gedrueckt und ich kannte Briseida und ihre Chambelanes und so war es ein sehr lustiger Tag, bis am Abend ein Typ aufgetaucht ist, deraus Aracurio, einem Rancho oberhalb Tarehuichos kommt. Der hat mich schon seit dem Baile am 9. Dezember verfolgt und sogar nachts um 2 an die Tuer meiner Gastfamilie geklopft, damit ich rauskomme.
Auch in dieser Nacht kam er wieder, hat mir meine Gastfamilie am naechsten Tag erzaehlt.... der naechste Tag, das war der 24. Dezember. Ich hatte schreckliches Heimweh, Weihnachten hier war furchtbar. Es war ein Massenbesaeufnis und ich habe mich einfach nur unwohl gefuehlt. 
Ich war soo froh, am 26. Dezember in aller Fruehe mein Dorf verlassen zu koennen.
Am 24. Dezember habe ich Waesche gewaschen, als meine Gastschwester mich auf einmal fragt, ob ich schon meine Sachen gepackt haette. Ich war etwas ueberrascht, denn so prinzipiell haben sie sich nie wirklich fuer mich interessiert. Ich meinte: das werde ich am naechsten Tag machen. Sie meinte daraufhin, dass ich dann doch bitte alles zusammenpacken soll, denn am 5. Januar kaeme eine Tante, die mein Zimmer okkupieren wird. Ich meinte, dass ich am 5. Januar auch wieder zurueckkomme und ob es dann keinen Platz mehr fuer mich gaebe oder wie ich das jetzt verstehen soll. Durch die Blume hat sie mich dann mehr oder weniger rausgeworfen.
Am Abend meine ich dann zu meiner Gastmutter, dass ich morgen alles rausraeume und mein Zeug dann auch schon zu Yessi bringe. Sie war total ueberrascht und meinte, dass das mein Zuhause sei, bis ich nach Morelia ziehe.
Ich war total irritiert. Dann wollte ich meinem Gastvater ds Geschenk, dass ich fuer meine Gastfamilie hatte geben, doch er hat seine Arme verschraenkt und gesagt, das nehme er nicht. Ich fragt, wieso. Er daraufhin: "Wir haben das nicht ausgemacht, ich habe ja auch nichts fuer dich." Gluecklicherweise hat meine Gastmutter mir das Geschenk dann abgenommen.
Ich weiss nicht, was sie damit gemacht haben, sie haben mich nie darauf angesprochen oder sich bedankt. 
Das Geschenk war ein Fotoalbum mit Fotos von meiner Zeit in Teremendo und eine Packung Pralinen.
Ueber meine Reise mit Anna und Lea berichte ich ein anderen Mal.
Am 5. Januar bin ich jedenfalls todmuede wieder nach Teremendo bekommen und hatte kein Zuhause mehr, da mich auf einmal die SMS erreichte: "Maike, es tut uns leid, dir sagen zu muessen, dass du die naechsten Tage bei deinen Freundinnen verbringen musst. Deine Sachen stoeren uns nicht, die koennen hierbleiben. Gut. Tschuess."
Ich war voellig fertig mit der Welt und habe nur noch auf den 8. Januar gewartet.
Am 5. Januar war ich dann auf einer Silbernen Hochzeit in meinem Dorf, am 6. Januar war Kommunion, Gottesdienst und Baile und Yessi hat mir geholfen, meine Sachen zu ihr hochzubringen. Bei dem Baile habe ich den Typen aus Aracurio dann richtig angefahren, weil er mich einfach angefasst hat und auch nach dem dritten "nein" noch hinter mir herlief und dann habe ich ihn angeschrieen, er solle mich in Ruhe lassen, warum er das niciht verstehe, ich habe ueberhaupt kein Interesse an ihm. Meine Freundinnen meinten dann: Wow, Maike, du bist ja richtig aggressiv. 
Ich dachte mir, die ticken ja alle nciht richtig. Der Typ ist total gestoert und ich soll ihn dafuer noch freundlich anlaecheln oder was? Abgesehen davon war es eine gute Moeglichkeit, an ihm mal all meine Wut auszulassen. Ich hoffe, das klingt jetzt nicht zu grausam.
Und dann am 7. war Jaripeo und Baile, ich habe meine Sachen gepackt und bin am 8. Januar alleine nach Morelia gefahren.
Denn natuerlich kam die versprochene Hilfe von Vivemexico nicht - wen wundert's? Meine Direktorin hat schliesslich auch keinen Brief bekommen und meine Gastfamilie bis heute kein Geld.
Jetzt lebe ich gluecklich in Morelia, habe eine tolle Gastfamilie, eine grosses Haus, ein Zimmer mit Fenster und einem richtigen Schrank und einem hygienischen Bett!! Fliessendes Wassser, eine Waschmaschine, einen Trockner, eine Spuelmaschine, einen richtigen Ofen, ... 
Einfach alles, was ich mir gewuenscht habe und mehr :)

Was so passiert ist.

Donnerstag, 29.11.2012

Gerade bin ich in Morelia und wir haben ein bisschen mehr über unseren Verbleib erfahren. Wir werden wahrscheinlich im Januar unsere Familien wechseln, wobei die Familien jetzt schon feststehen.
Ich werde aber höchstwahrscheinlich vorher noch innerhalb meines Dorfes Gastfamilie wechseln, weil ich Weihnachten auf keinen Fall in meiner Gastfamilie feiern möchte. Yessis Familie hat mir von Anfang an gesagt, dass ich bei ihnen leben kann und wann ich will, zu ihnen wechseln kann. Nachdem es dann hieß, dass wir unverzüglich unsere Dörfer verlassen müssen, habe ich mich dann dagegen entschieden und mir gedacht, bis zum Ende bleibe ich dann doch noch in meiner Familie. Aber das Ende zögert sich immer weiter hinaus und ich habe mich von Anfang an nicht wohl gefühlt in meiner Familie, die eigentlich nicht mit mir redet und mich mehr als Dauergast akzeptiert (ohne ihnen Böses zu wollen!!).
In letzter Zeit war bei mir eigentlich nicht viel los. Ich war täglich mit Yessi unterwegs und wir haben Tanzen beigebracht. Ansonsten hat mich ein Hund gebissen, der aber glücklicherweise geimpft ist. Dann hatten wir von der Schule aus in Cuto de la Esperanza, einem anderen Dorf, eine Jornada Deportiva, also eine Art Sportwettbewerb zwischen drei verschiedenen Schulen der Umgebung. Leider hat Teremendo nur den dritten Platz belegt und kommt damit nicht weiter in die nächste Runde.
Letztes Wochenende waren wir bei Yam auf dem Geburtstag.
Morgen (Donnerstag) nach dem Seminartag fahre ich wieder nach Hause. Am Freitag fahre ich mit meinen Freundinnen nach Morelia, um in eine Bar zu gehen. Am Samstag bin ich auf dem Geburtstag der Tochter einer Lehrerin in Queréndaro (40 Min. von Morelia) eingeladen und auf den Quinzeanos einer Freundin in Tzintzimacato... Ich weiß noch nicht, wie ich es schaffe, sowohl beim einen als auch beim anderen Fest aufzukreuzen...
Am Montag geht dann unser Zwischenseminar los und dauert bis Freitag.
Für die Zeit vor Weihnachten habe ich in der Prepa ein "Secreto Amigo" organisiert. Jeder Schüler musste einen Zettel mit einem Namen ziehen. Dieser Person muss er dann jeden Tag eine Kleinigkeit mitbringen, ohne dass die Person weiß, woher es kommt. Und am Ende kommt dann die Auflösung, wir wünschen und "frohe Weihnachten" und haben Ferien. Das wird dann vermutlich auch mein Abschied von der Schule.

... und nun der Text zu den Bildern

Freitag, 23.11.2012

In Mexiko wird der Día de los muertos am 1. und 2. November groß gefeiert. In den meisten Familien ist das eine sehr private Angelegenheit. Die Gräber der muertitos (der Toten) werden wunderschön mit Ringelblumen, Essen und teilweise auch mit Erinnerungen geschmückt. Besonders um den Lago de Pátzcuaro finden große Feierlichkeiten zum Día de los muertos statt. Hier harren die Lebenden an den Gräbern eine Nacht aus und bewachen sie. Leider wird diese schöne Tradition durch den Massentourismus und die Saufgelage am Lago de Pátzcuaro gestört.
Auch Anna und ich nahmen an einer organisierte Busfahrt teil und suchten uns auf den Friedhöfen unseren Weg, vorbei an den toll geschmückten Gräbern, an in Decken gehüllten Menschen, die teilweise geschlafen haben, an wärmenden Feuern und hin und wieder auch einem Campingzelt.
Unsere Busfahrt begann in Morelia und als erstes besuchten wir das Dorf Santa Fe de la Laguna (wer Annas Blogeinträge liest: es heißt Santa Fe, nicht San Pedro), das mich stark an mein Dorf erinnerte mit seiner rot-weiß-gestrichenen Plaza. Hier aßen wir auch zu Abend. Zu trinken gab es Kaffee und Atole (ein sehr dickflüssiges Maisgetränk). Ich liebe den Kaffee, den es hier gibt!!!! Und zum Essen bekamen wir Tamales (das ist sowas Ähnliches wie Corundas, also eine feste Maismasse in Maisblätter eingewickelt), Uchepos (das sind süße Corundas), Pozole (das ist diese Maissuppe, zu der man nach Belieben Salat, Tomaten, Zwiebeln, Salsa und Limonen isst), Käse und Brot. Also eine typische michoacanische Mahlzeit.
In Santa Fe besichtigten wir die Kirche, die unter anderem von der indigenen Bevölkerung erbaut wurde, weswegen sich auch teilweise indianische Abbildungen auf den Kreuzen und Wänden befinden. Anschließend ging die Busfahrt weiter nach Tzintzuntzan. Dort kam man nur im Schneckentempo vorwärts, so voll war es. Überall sah man trinkende Menschen, die sich nicht um den Brauch des Día de los muertos kümmerten, sondern ihn einfach als Grund zum Feiern sahen. Trotz der fortgeschrittenen Stunde (es war schon so 12 Uhr Mitternacht) hatte man die Möglichkeit, sich auf dem Markt mit allem, was man braucht, einzudecken.
Ich war froh, als wir Tzintzuntzan wieder verließen und auf das Ufer des Lago de Pátzcuaro zusteuerten. Denn auch auf dem See wird der Día de los muertos gefeiert, wobei für uns eher eine Art Fischerschau veranstaltet wurde. Uns wurden nochmal die Schmetterlingsnetze gezeigt, wie schon an dem Tag, als wir mit dem Seminar zum Lago de Pátzcuaro gefahren sind und die Fischer fuhren in ihren Kanus im Kreis.
Ich fand dieses Spektakel nicht soo interessant, vor allem fiel es mir schwer, noch konzentriert zuzuhören, da es verdammt kalt war, leicht genieselt hat und ich sehr müde war.
Anschließend sollten noch zwei weitere Dörfer folgen, von denen wir die Friedhöfe besichtigten. Allerdings kann ich mich nicht daran erinnern, das zweite Dorf gesehen zu haben, da ich nach dem ersten Friedhofsbesuch eingeschlafen bin.
Um 4 Uhr morgens waren wir ca. wieder in Morelia und konnten den Rest der Nacht bei einem Administrator von Annas Schule verbringen, durch den wir überhaupt auf die Idee dieser Busfahrt kamen.
Am Freitag sind wir zu Anna gefahren und haben blöderweise unser Zeug dort gelassen, denn das hieß, dass wir dann die Nacht auf Samstag bei Anna geschlafen haben.
Am Abend haben wir uns mit Yam getroffen, die wir auf der Willkommensparty am 6. September kennengelernt haben. Mit ihr liefen wir durch Morelia und einer ihre Kumpel schloss sich uns kurzfristig an und letzten Endes landeten wir dann im Billiardhaus seines Vaters und spielten Billiard.
Gegen halb eins standen wir vor Annas Haustür und irgendwann öffnete uns ausgerechnet ihre große Schwester, die mich aus nur ihr bekannten Gründen nicht leiden kann.
Für die Nacht von Samstag auf Sonntag haben wir dann Asyl bei Yam ersucht. Eigentlich wollten wir ja Samstagabend mit Yessi auf das Konzert gehen, allerdings sind ihre Freunde nach Querétaro gefahren und haben die Karten nicht gekauft, womit der Konzertbesuch, von dem seit Wochen die Rede war, kurzfristig ins Wasser fiel.
Am Samstag gingen Anna und ich Pizza essen. Europäsisches Essen ist eben doch hin und wieder eine nette Abwechslung zu Bohnen und Ei und Ei und Bohnen und Huhn in Suppe mit Bohnen. Ich weiß, dass ich in einem der ersten Blogeinträge geschrieben habe, dass hier nicht ständig Bohnen gegessen werden. Damals fand ich das Essen hier noch abwechslungsreich, weil ich es nicht kannte. Mittlerweile weiß ich, dass es immer das Gleiche gibt und ich, wenn's gut läuft, nur einmal am Tag Bohnen zu Gesicht bekomme.
Das Restaurant, in dem wir waren, sah recht stilvoll eingerichtet aus, allerdings wurde unser Sinn für Gemütlichkeit dann doch durch die Papierunterlage mit aufgedruckter Werbung und meinen Pepsipappbecher zunichte gemacht. Die Pizza war aber trotzdem sehr lecker!!
Den Rest des Tages verbrachten Anna und ich in Morelia, ich kaufte für eine Dreijährige ein Krönchen und als es anfing zu regnen, setzten wir uns einfach in einen Bus und stiegen an der Endstation aus und in denselben Bus ein paar Meter weiter wieder ein, um wieder zum Zentrum zurückzugelangen. Das war so ungefähr die sinnloseste Aktion dieses Tages.. Aber der Regen hörte nicht auf und wir kamen letzten Endes pitschnass bei Yessi an und freuten uns auf ein warmes Haus... aber Pustekuchen!!! Als ob es drinnen wärmer wäre als draußen. Mit undichten Fenstern ist das einfach nicht möglich.
Am Sonntag stapften Anna und ich mit nassen Füßen durch den Regen zu unseren Bussen und fuhren nach Hause. Auch in Teremendo war alles nass und kalt. Ich hatte vier Jacken übereinander an und ging so mit Yessi zum Kindergeburtstag einer Dreijährigen, bzw. einer Presentación. Mit 3 Jahren wirst du nämlich im Dorf präsentiert. Auf dem Kindergeburtstag waren allerdings kaum Kinder. Zum Mittagessen gab es Mole mit Corundas. Anschließend wurde das Mädchen umgezogen, denn gegen 4 oder 5 Uhr kamen dann doch viele Kinder und es wurde eine Piñata zerschlagen. Die Kinder sammelten die Süßigkeiten ein, aßen noch ein bisschen Torte und sind dann wieder nach Hause gegangen. Dann verteilten wir das Abendessen: Pozole. Und dann war der Kindergeburtstag vorbei und es wurde aufgeräumt.
Durch den Regen sind wir dann wieder zu unseren Häusern gelaufen und ich habe mich frierend in mein Bett gelegt.
Am nächsten Morgen hat es dann endlich aufgehört zu regnen, aber es war immernoch alles feucht und nass und alles war kalt. In meiner Vorstellung ist es aber in Häusern warm, deswegen war es jedesmal wieder eine Enttäuschung, wenn ich durch eine Tür gegangen bin und mir kein muffigwarmer-Heizungsstaub-Geruch entgegenkam, sondern ein feuchtkalter Luftzug durch das ganze Haus wehte.
In diesen kalten Tagen liefen hier alle in Winterjacken herum, bzw. lagen in Winterjacken und Decken gehüllt in ihren Betten.
Am Dienstag kam dann endlich wieder die Sonne raus und mir wurde endlich wieder richtig warm... bis ich die E-Mail vom IB gelesen habe, dass das Auswärtige Amt sagt, dass wir unverzüglich unsere Dörfer verlassen müssen. Ich wollte es nicht wahrhaben!!! Uns wurde gesagt, innerhalb der nächsten Tage müssen wir raus und entweder nach Morelia oder Ciudad Hidalgo wechseln. Für mich gibt es einen Platz an der Universität von Morelia, in der ich dann weiterarbeiten soll.
Die Tage danach war ich unendlich traurig und warte seitdem auf eine konkrete Nachricht, in der mir gesagt wird, wann ich Teremendo verlassen muss.
Mittlerweile habe ich mich an den Gedanken gewöhnt, dass ich bald nach Morelia ziehe und freue mich auch darauf, allerdings will ich dadurch in meinem Dorf nichts Richtiges mehr anfangen und auch keine neuen Projekte starten. Jede Englischstunde gehe ich so an, als wäre es die letzte. Ich gebe keine Hausaufgaben mehr auf und lasse den Schülern mehr durchgehen...
Das Wochenende darauf verbrachte ich in Teremendo mit Yessi und in Tarehuicho bei Brenda. Die letzte Woche versuchte ich abends mit Yessi und Angélica einer Quinzeañera und ihren Chamelanes (die Quinzeañera muss sich eine gewisse Anzahl von Jungs suchen, mit denen bei ihrem Quinzeaños tanzen muss und die dann quasi die wichtigsten Jungs sind) Walzer beizubringen.
Am letzten Freitag war in der Schule “El Congreso de Jóvenes 2012” (Jungendkongress 2012). Dafür sollte ich theoretisch eine Leinwand bemalen und mir ein Wissensspiel für die Schüler ausdenken. Allerdings hat mir die Direktorin bis Donnerstag keine Leinwand mitgebracht, weswegen ich auf die Schnelle aus Papier ein Plakat basteln musste.
Am Freitag war dann auch völlig vergessen, dass ich mir ein Wissensspiel ausgedacht habe und auf Nachfragen hin wurde ich als Teilnehmerin in eine Gruppe gesteckt und habe mit ihnen die unterschiedlichen Stationen durchlaufen, was mir sehr viel Spaß gemacht hat.

Anschließend gab es eine Siegerehrung, bei der auch die Schüler geehrt wurden, die Abfall weiterverwertet haben und daraus Gegenstände wie Taschen, Lampen und Körbe gebastelt haben.
Danach wurde uns ein Vortrag über Selbstwertgefühl gehalten und zum Abschluss bekam jeder einen Zettel auf den Rücken geklebt und wir hatten die Möglichkeit uns gegenseitig Nachrichten auf den Rücken zu schreiben.
Leider weiß ich nicht, wer mir was geschrieben hat, aber ich habe mich über alles sehr gefreut!!
Am Freitag habe ich übrigens zweimal versehentlich Atole getrunken. Mir wurde einfach eingeschenkt und um nicht unhöflich zu sein, habe ich beide Male den Atole und mein Übelkeitsgefühl heruntergeschluckt.
Am Samstag bin ich mit Yessi, ihrer Mutter, ihrer Schwester und deren Tochter nach Morelia zu der Schwester der Mutter gefahren. Dort hat es mir sehr gut gefallen, ich hoffe, meine neue Gastfamilie ist auch so nett!!!
Yessi und ich waren im Stadtzentrum und ich habe mir neue Sneakers zugelegt. Dann kam Yessi auf die Idee, dass wir uns von Vögeln unsere Zukunft sagen lassen können. Auf der Straße stand nämlich ein Typ mit einem Vogelkäfig und einem Kästchen mit Zettelchen. Der Vogel hat uns ein paar Zettel gezogen, die uns unsere Zukunft prophezeien. Ich habe mich dazu nur überreden lassen, weil es eine mexikanische Tradition ist, aber wenn ich demnächst mehr über meine Zukunft wissen will, schaue ich mir lieber mein Horoskop an, das kostet wenigstens nichts und erzählt genau das Gleiche.
Was ich dagegen aber sehr interessant fand, war, wie man ein Baby dazu bringt, nicht mehr zu weinen: Man schlägt ein Ei in ein Glas Wasser und wenn über dem Eigelb eine weißliche Flüssigkeit schwimmt, dann badet man das Baby in diesem Eiwasser und es hört auf zu weinen. Schwimmt aber keine weiße Flüssigkeit über dem Ei, dann brächte es Unglück, das Baby in diesem Wasser zu baden.
Mal sehen, ob ich über das Jahr noch mehr solcher Heilmethoden lerne. Yessis Tante meinte, dass in anderen Bundesstaaten noch viel mehr solcher Brujerías (Hexereien) betrieben werden.
Yessi und ich haben uns spontant dazu entschieden, die Nacht bei ihrer Tante in Morelia zu verbringen, weil ihre Cousins in “Biss zum Ende der Nacht Teil 2” gegangen sind, der hier am Freitag zum ersten Mal ausgestrahlt wurde. Ich war total überracht, wie viele Jungs freiwillig in diesen Film gegangen sind!!! Auch als Yessi ihrem Freund vorgeschlagen hat, dass sie sich mal alle Filme am Stück anschauen, reagierte er alles andere als entsetzt :D
Am Sonntag fuhren wir dann wieder nach Hause zurück. Am Montag fand keine Schule statt. Am Dienstag war Desfile de la Revolución, am Mittwoch war ich zu einem Kindergeburtstag eingeladen, am Donnerstag ist Santa Cecilia, das ist die Schutzheilige der Bandas. Und wann ich Teremendo verlassen werde, weiß ich nicht.
Am 28. November muss ich auf jeden Fall nach Morelia, weil wir dort ein Treffen mit allen Freiwilligen haben, vielleicht erfahren wir da Näheres.
Die Bilder, die fehlen, stelle ich auch bald rein :)

Día de los muertos; Kindergeburtstag; mein persönlicher Weltuntergang und mein Zuhause

Mittwoch, 14.11.2012

Ich nehme mir jetzt mal ein Beispiel an meiner Mitfreiwilligen Anna, die teilweise auch nur Bilder reinstellt. Denkt jetzt nicht, dass ich zu faul bin, einen Blogeintrag zu verfassen. Ich habe nur keine Zeit und muss noch darüber nachdenken, was ich schreiben werde.

Día de los muertos in der Primaria:

Was passiert, wenn man seine Kamera aus der Hand gibt. Mit meinen liebsten Schülern. Der Altar in der Primaria. Das Grab in der Primaria. Vorbereitung in Teremendo.

Día de los muertos in Santa Fe de la Laguna, Tzintzuntzan, am Lago de Pátzcuaro:

Eine Wand an der Plaza in Santa Fe de la Laguna. Ein Kreuz mit indianischen Zeichen in Santa Fe. Ein Altar in Tzintzuntzan. Die Gräber in Tzintzuntzan. Solche Schlösser sieht man auf vielen Friedhöfen. Anna und ich. Fischer am Lago de Pátzcuaro (mittlerweile eher Touristenattraktion, eigentlich besinnliche Tradition).

Fischer am Lago de Pátzcuaro (mittlerweile eher Touristenattraktion, eigentlich besinnliche Tradition).

Kindergeburtstag einer Dreijährigen in Teremendo:

So wird das Mädchen präsentiert. ... und so feiert sie mit ihren Freunden. Mit meinen Freundinnnen beim Kindergeburtstag. Mittags gabs Mole, abends Pozole. Hier ein Topf Pozole.

Hier wohne ich noch:

Ich wohne in dem grünen Haus. Mein Zuhause von vorne. Das Wohnzimmer. Richtung Küche. Die Küche, hinten die Kochstelle. Die Küche in die andere Richtung.

Der Garten. Das Schwein. Der Stall. Vom Garten Richtung Haus. Hier geht's in die Küche, links ist der Stall.

Die Welt nach meinem persönlichen Weltuntergang:

Ich werde sie vermissen!!! Sie haben mir zum Abschied sogar Briefe geschrieben. Auch sie werde ich vermissen, meine ersten Freunde in der Prepa.

Zu Besuch in Tarehuicho, dem Nachbarrancho:

Brendas Haus. Brendas Garten. Tarehuicho.

Möglicherweise einer der letzten Acto Cívicos, den ich mit erlebt habe:

Das Rednerpult. Die erste Eskorte marschiert bei jedem Acto Cívico. Die Schüler sind nach Semestern aufgestellt.

Meine Hochzeit in Mexiko

Dienstag, 30.10.2012

So, was ist in den letzten zweieinhalb Wochen passiert... Ich war unter der Woche jeden Tag unterwegs und habe mich mit Freunden im Dorf getroffen, wir waren joggen oder Volleyballspielen oder haben etwas für den Jahrestag der Schule vorbereitet, der letzten Freitag groß gefeiert wurde.
Außerdem war ich mit dem dritten Semester im Zoo, wobei ich es eigentlich interessanter fand, die Schüler zu beobachten als die Tiere. Einige der Schüler waren zum allerersten Mal im Zoo und waren dementsprechend begeistert von den Tieren. Andere Schüler nutzten den Zoobesuch als Fotoshooting und präsentierten sich vor jedem Handy und Fotoapparat, ... es war durchaus interessant! Was mir doch ein bisschen Angst eingejagt hat, war das Schlangenhaus, in dem man auch einheimische Schlangen sehen konnte. Zwar stand überall, dass die Schlangen Michoacáns nicht giftig sind, aber das heißt ja nicht, dass sie einen dann nicht erwürgen, wenn man ihnen über den Weg läuft...
Gut, dass es im Zoo einen Spielplatz gab... Komm schon, nur Das gesamte dritte Semester Paviane! Im Schlangenhaus Eine 2,5m-lange Schlange   

Letzten Sonntag gab es wieder ein Jaripeo (Stierkampf) in Teremendo, zu dem ich gegangen bin, nachdem die Mädchen mich wieder vergessen haben zum Schwimmen abzuholen. Anschließend bin ich mit ein paar Freunden zum Baile gegangen. Mein Rekord sind mittlerweile 8 oder 9 Tanzpartner an einem Abend!
Letzte Woche Mittwoch bin ich zum esten Mal richtig geritten, als ich mit ein paar Freunden Maisblätter und Stecken sammeln war und einer seine Pferde heimholen musste. Die Fotos sind leider auf den Handys meiner Freunde, aber ich versuche sie zu bekommen.
Am letzten Donnerstag fand dann kein Unterricht statt, weil die Schule geputzt, geschmückt und alles hergerichtet werden musste für den Jahrestag am Freitag.
Obwohl schon zwei Wochen vorher gesagt wurde, dass das gemacht werden muss, haben wir natürlich erst auf den letzten Drücker angefangen.
Am Nachmittag habe ich dann 3 Stunden auf die Lehrer gewartet, mit denen ich nach Morelia gefahren bin.
Denn dort habe ich Anna abgeholt, die das Wochenende bei mir verbracht hat.
Am Freitag war dann das Fest in der Prepa. Es fing an mit einem Acto Cívico, bei dem wie jeden Montag eine Eskorte mit der Nationalflagge eine Runde marschiert ist, anschließend die Nationalhymne gesungen wird und danach ein paar Wort zur Heimat gesagt werden.
Der Acto Cívico

Danach traten eine Tanzgruppe aus Morelia und die Tanzgruppe unserer Schule auf, die tradionelle Tänze tanzten.
Die Tanzgruppe aus Morelia Unsere Tanzgruppe in traditioneller Kleidung Unsere Tanzgruppe beim Tanzen

Außerdem hat das dritte Semester einen Sketch aus der beliebten Fernsehsendung "El Chavo" aufgeführt. In diesem Sketch zeigten sie karikativ, wie der Englischunterricht abläuft. Das Traurige ist eigentlich, dass es nicht karikativ war sondern die Wahrheit..
Der Englischlehrer Die Englischklasse

Das 5. Semester hat für den Freitag eine Hochzeit organisiert und mir wurde immer gesagt, dass ich Patin sein werde, wofür mir auch ein extrem hässliches Kleid gegeben wurde. Das Brautpaar sollten meines Wissens zwei Jungs sein, von denen der eine als Frau verkleidet werden sollte.
Allerdings wurde das nur mir erzählt... denn ich war am Ende die Braut. Mir wurde ein viel zu großes Hochzeitskleid angezogen und schon schnappte mich mein Bräutigam und wir begannen zur Musik der Banda zu tanzen.
Tanzen (im Hintergrund die Banda) Ich bin die in weiß.

Nach dem Tanzen wurden mein Bräutigam und ich jeweils auf einen Stuhl gestellt und mussten beide das Ende eines Schals in die Hand nehmen. Ein paar der Schüler hielten uns jeweils fest und der Rest versuchte in einer Art Polonaise uns umzurempeln und vom Stuhl zu stoßen. Wäre einer gefallen, hätte der jeweils andere Partner ihn ausziehen dürfen, soweit ich das verstanden habe.
Auf den Stühlen mi dem Schal.

Nach dieser Art Tanz, musste ich mich auf einen Stuhl setzen und alle tanzten um mich herum und immer wieder kamen ein paar Schüler, um mir Bänder in die Haare zu binden.
Nachdem alle ihre Bänder losgworden sind, musste ich mit allen paartanzen und wurde nur noch herumgewirbelt (dabei bin ich ständig über mein Kleid gestolpert), aber es hat trotzdem sehr viel Spaß gemacht. Ich kam mir sogar ein bisschen wie eine Braut vor.
Sie tanzen um mich herum. Mir werden Schleifen in die Haare gebunden. So sah ich am Ende aus. Und so sah ich von hinten aus.

Hier noch ein paar obligatorische Hochzeitsbilder:
Mein Bräutigam und ich. Anna, meine Direktorin und ich. Ein paar Schüler und ich. Ein paar Schülerinnen und ich.

Anschließend sind wir den Torro durch's Dorf getanzt. Das heißt, man legt sich die Arme um und hüpft dann zur Musik der Banda vorwärts.
Torro Richtung Dorf. Im Dorf.

Danach gab es in der Prepa Essen und wir haben weiter getanzt. Am Abend fand dann der Baile (Tanz) in der ehemaligen Prepa im Dorf statt. Und damit war der Jahrestag der Schule beendet.
Der Baile in der ehem. Prepa

Am Samstag habe ich Anna mein Dorf gezeigt und wir sind mit einer Freundin und ihrer Familie nach Huaniqueo (ein großes Dorf, bzw. eine seeeeehr kleine Stadt) gefahren und auf dem Rückweg haben wir noch in La Alberca gehalten, weil dort ein Vulkankrater ist, den ich noch nie gesehen habe.
Die Plaza in Teremendo. Die Kirche Teremendos. Eine Straße in Teremendo. Weihnachtssterne. An der Lagune von Teremendo. Ein Haus in Huaniqueo. Die Plaza in Huaniqueo. Der Vulkankrater in La Alberca. Mit Anna und Yessi.

Danach waren wir noch ein bisschen bei Yessi. Sie holte die Quinzeaños-Kleider von sich und ihren Schwestern heraus. Und so zog ich mir dann auch mal ein solches Kleid an, wie sie die Mädels hier zu ihrem 15. Geburtstag tragen.
Yessi und ich.

Am Sonntagnachmittag verabschiedete sich Anna dann auch schon wieder und der Alltag ging los. Am Abend war ich noch mit Yessi und anderen Freunden auf der Plaza zum allsonntaglichen "Freundmachen", wie das hier so schön genannt wird.
Am Donnerstag und Freitag haben wir keine Schule, weil Día de los Muertos ist. Den werden Anna und ich um Pátzcuaro herum verbringen, da der dort am besten gefeiert werden soll.
Am Samstag gehen wir mit Yessi und ihren Freundinnen auf ein Banda-Konzert in Morelia und Sonntag fahre ich dann wieder nach Hause.


Es kommt immer anders, als man denkt

Donnerstag, 18.10.2012

So, jetzt bin ich schon fast 40 Tage in Mexiko... klingt irgendwie lang, aber wenn ich überlege, was ich seitdem alles erlebt habe, dann kommt mir die Zeit eher kurz vor.
40 Tage sind nur 9 Prozent der Zeit, die ich hier verbringen werde und ich fühle mich jetzt schon wohl...
Klar gibt es Dinge, die mich stören: Zum Beispiel, dass sooft der Unterricht in den unterschiedlichen Schulen ausfällt oder dass Einladungen einfach vergessen werden. Am Samstag war ich eigentlich eingeladen nach Tarehuicho, ein Rancho bei Teremendo. Ich bin also, wie ausgemacht, rübergefahren und stand dann dort auf der Straße und wusste nicht, wohin. Nach einigem Fragen habe ich das Haus der Schülerin gefunden, habe geklopft und ihr Bruder schaute aus dem Fenster raus und guckte mich fragend an. Ich habe ihm erklärt, dass ich eingeladen wurde, das Wochenende dort zu bleiben, da teilte er mir mit, dass meine Gastgeberin gar nicht zuhause sei, sondern Freitag bis Sonntag in Morelia verbringt. In dem Moment fühlte ich mich dann doch wie bestellt und nicht abgeholt und bin letzten Endes wieder nach Hause gefahren. Solche Begebenheiten finde ich sehr ärgerlich.
Ich habe also damit gerechnet, ein Wochenende allein in meinem Zimmer zu verbringen... doch in Mexiko kommt es immer anders, als man denkt!!
Auf einmal bekomme ich eine SMS von einer Schülerin, die mich fragt, ob ich nicht Lust hätte mit ihr und ihren Freunden was zu unternehmen. Und ob! Wir sind also wieder auf den Hügel gesteigen, auf dem wir schon einmal waren.

    Ein AdlerTeremendo von obenTeremendo von oben 2mit Beschriftung
Dort haben wir unter anderem ein Maisfeuer gemacht. Anschließend sind wir wieder runtergestiegen und landeten letztendlich in einem Haus von ich-weiß-nicht-wem, weil es dort noch mehr Mais gab. Hier wurde der Mais zwar auch über dem Feuer gemacht, aber eben nicht ihm Feuer. Mir persönlich schmeckt Mais aus dem Feuer besser. Zum Abschied wurde uns dann auch noch Mais geschenkt und wir sind ein bisschen durch Teremendo gelaufen.
Freitag war ja schulfrei (ich glaube, es war San Francisco, aber sicher bin ich nicht) und der 12. Oktober. Es war der Geburtstag meiner Gastschwester Judy, die seitdem 15 ist. Ab 15 Jahren ist man eine Frau, deswegen ist es eigentlich ein sehr besonderer Geburtstag, aber bei Judy war das eher nebensächlich. Es gab keinen Kuchen, keine Geschenke und ich habe auch nicht mitbekommen, dass jemand ihr gratuliert hat oder sie übermäßig viele SMSn bekommen hat. Stattdessen waren wir auf einer anderen Fiesta. Jeden 12. eines Monats wird die Virgencita (Jungfrau) an eine Person des Dorfes weitergegeben. Diese Person muss dann ein Fest für alle Paten und deren Familien ausrichten. Und da es hier Paten für die Taufe, die Kommunion, die Firmung, den Schuleintritt, den Schulaustritt, … gibt, kommen entsprechend viele Leute zusammen.
Mittags (so gegen 14 Uhr) sind wir beladen mit Säcken voller Süßigkeiten zu dem Haus gegangen, indem die Virgencita diesen Monat empfangen wird.
Dort war die Bude schon voll. Wir haben unsere Süßigkeiten abgeladen und schon kamen die ersten auf uns zu und schenkten uns Süßigkeiten, die jeder einzelne in einer eigenen Tüte gesammelt hat. Außerdem wurden den weiblichen Gästen Haarbänder in die Haare gebunden, Haarreifen und -spangen geschenkt.
  Hier fand das Fest stattHaare
Anschließend gab es Essen: Hähnchen mit Mole. Obwohl ich mittlerweile doch schon an schärferes Essen gewohnt bin, traten mit Tränen in die Augen. Das kann aber auch daran liegen, dass mir Mole einfach nicht so gut schmeckt.
Wir sind dann nach dem Essen wieder nach Hause gelaufen. Ich habe mit den Kindern auf der Straße gespielt. Meine Gastschwestern und die Mutter der Kinder saßen drinnen und haben sich unterhalten.
Danach sind wir wieder zu dem Haus gegangen und haben dort geholfen, das übrige Essen an Nachbarn und Freunde zu verteilen, damit auch die etwas von dem Fest abbekommen.
Anschließend sind wir nach Hause gelaufen, haben uns geduscht. Um 19:30 fing der Gottesdienst an. Nach dem Gottesdienst wurde die Virgen dann in einem festlichen Zug aus der Kirche zu dem Haus getragen.
Ganz vorne liefen ein paar Jungs, die auf einem Holz schlagend den Rhythmus für die dahinter tanzenden Mädchen vorgegeben haben. Hinter diesen tanzenden Mädchen liefen 6 Mädchen (u.a. ich), die riesige Blumenvasen getragen haben. Hinter uns liefen Menschen mit Kerzen und Weihrauchschüsselchen und eine Frau mit der mexikanischen Flagge, dahinter dann vier, die die Virgencita getragen haben. Dahinter waren wieder Menschen mit Kerzen und Weihrauch und anschließend kam die Banda, die den ganzen Weg über gespielt hat.
Zwischendurch wurden immer wieder Raketen in die Luft geschossen.
Vor dem Haus wurde die Virgencita dann abgestellt und alle standen im Halbkreis um sie herum und begannen, Lieder über und für die Virgen zu singen. Währenddessen sind die Menschen einzeln zur Virgen gelaufen, haben sie mit Konfetti bestreut, sie gestreichelt und geküsst und sich anschließend bekreuzigt.
(BILDER)
Dann tanzten die kleinen Mädchen vor der Virgen zu den Klängen der Banda und danach wurde die Virgen ins Haus getragen.
Dann gab es für alle Abendessen: Posole. Posole ist eine Art Schweine-Mais-Suppe. Dazu kann man dann je nach Hunger Radieschen, Zwiebeln, Limonen und Salsa geben. Posole schmeckt mir persönlich viel besser als Mole!!
Um 22:15 sind wir dann wieder nach Hause gegangen.

Adler, Blumen und andere Begebenheiten

Dienstag, 09.10.2012

Ursprünglich hatte ich ja vor, am Dienstag wieder zurück nach Teremendo zu fahren... jedoch mussten wir feststellen, dass es wohl Länder gibt, die noch bürokratischer sind als Deutschland. Ich habe mein Visum bis heute nicht bekommen. Immerhin konnte ich am Mittwoch wieder nach Hause fahren. Mir hat die Zeit in Morelia trotzdem gut gefallen. Die Familie von Maxi und Aaron, zwei Mitfreiwilligen, besitzt ein Haus in Morelia, in dem wir zu elft schlafen konnten. Es wurde ein bisschen eng, als ich mit zwei anderen Freiwilligen in einem Bett schlafen musste, aber wir waren am Morgen alle recht erholt.
Dann mussten wir wieder zur Migración.
Am Nachmittag bin ich dann heimgefahren mit zwei Kleidungsstücken mehr, denn ich musste mir für den Día de la Paz (Friedenstag), der am 21.09. war, weiße Klamotten kaufen.
Diesen Día de la Paz sollte ich eigentlich organisieren, allerdings lief das nicht ganz so, wie ich wollte.
Es gab keine Leinwand in der Schule, die ich bemalen konnte, Luftballons hat meine Direktorin auch nicht gekauft und am besagten Friedenstag kamen die anderen geladenen Schulen nicht, sodass nur die Prepa durch's Dorf desfilierte.
Vor dem Desfile Mit dem 5. Semester (mein Gastbruder ist der mit dem T-Shirt schräg hinter mir) Mit dem ersten Semester (meine Gastschwester steht neben mir) Desfile Richtung Dorf Desfile
Nach dem desfile ging die Schule normal weiter. Anschließend wollte ich auf meine Gastschwester Judy (14) warten, aber sie war schon weg. Viele Schüler putzten aber noch die Schule, um sich ein wenig Geld dazuzuverdienen und einer bot dann an, mich nach Hause zu begleiten. Ich wäre auch alleine gegangen, aber so war's natürlich unterhaltsamer.
Am Wochenende war dann nicht viel los hier.
Am Samstag habe ich meiner Gastschwester Jane (18) ein bisschen geholfen, das Haus zu putzen, ich habe ein bisschen Flöte gespielt und bin dann mit meinen Gastschwestern Judy und Jane spazieren gegangen.
Danach kamen die beiden in mein Zimmer und haben sich meine Bücher angeschaut und mich dann gefragt, ob ich keine Spiele aus Deutschland mitgebracht habe. Deswegen habe ich in aller Schnelle ein „Mensch ärgere dich nicht“ gebastelt, das wir dann gespielt haben.
Mensch, ärgere dich nicht!
Am Sonntag bin ich um 13:00 mit in die Kirche gegangen und habe mich furchtbar gefühlt!! Der Gottesdienst war ganz anders als in Deutschland. Da ich sehr wenig verstanden habe und der Gottesdienst zum Großteil aus einem Gesang der Gemeinde bestand, konnte ich auch nicht wirklich teilnehmen. Zum Beten kniee ich mich normalerweise ja auch nicht hin und habe dafür etwas schräge Seitenblicke geerntet.
Ich werde versuchen, ab jetzt die Kirche zu umgehen. Oder ich schau mir mal den evangelischen Gottesdienst an.
Am Nachmittag saß ich im Garten und habe in meinem Reiseführer gelesen und mir überlegt, was für Orte ich gerne in Mexiko besuchen würde.
Am Abend -  und das war echt superinteressant – bin ich mit meinen Gastschwestern und einer Freundin auf die Plaza gegangen. Die vier Mädels liefen sehr herausgeputzt herum und ich habe mich echt gefragt, was jetzt Besonderes passiert. Aber: das ist nichts Besonderes. Jedes Wochenende gehen die meisten Jugendlichen Teremendos auf die Plaza. Die Mädels laufen eingehakt um die Plaza herum und hoffen, die Aufmerksamkeit der Jungs zu bekommen. Wenn ihnen ein Junge gefällt, gehen sie aber nicht zu ihm und sprechen ihn an, denn der Junge muss immer, immer, immer den ersten Schritt machen.
Irgendwann saßen wir auf dem Mäuerchen und haben auf männliche Wesen gewartet und tatsächlich kamen irgendwann welche.
Um 22:00 haben wir uns dann aber schon wieder auf den Rückweg gemacht.
Ich habe mich vor dem Haus noch ein bisschen mit einem unterhalten. Vielleicht war das keine gute Idee, denn sofort, als ich ins Haus ging, kam von meinen Gastschwestern die Frage, ob er mir gefällt und ob ich ihn mag.
Es ist echt anstrengend, wenn man sich nicht einfach normal mit Jungs unterhalten kann. Schon als ich am Freitag von dem Schüler begleitet wurde, kamen viele Fragen von meinen Gastschwestern.
Am Montag war dann wieder Schule. Dort hatte ich eigentlich nichts zu tun. Am Nachmittag dann kamen ein paar verwandte Kinder meiner Gastfamilie. Mit denen habe ich den gesamten Nachmittag gespielt. Mein „Mensch ärgere dich nicht“ hat sich wirklich bewährt!
Am Dienstag war ich dann in der Primaria, um meinen Stundenplan dort abzuholen und habe auch gleich angefangen, dort zu arbeiten.
Das war sehr anstrengend, da die Schüler noch nie was von Handmeldungen gehört haben und alle durcheinander gerufen haben und jeder ein anderes englisches Wort hören wollte.
Für die nächsten Stunden habe ich mir jetzt einen Plan gemacht.
Am Mittwoch hätte ich eigentlich viel zu tun gehabt, wenn in der Primaria nicht aus mir unbekannten Gründen der Unterricht ausgefallen wäre.
Mein Stundenplan
Also saß ich wieder mehr herum und habe mich mit Schülern unterhalten, als gearbeitet.
Mit ein paar Schülern
Am Nachmittag bin ich sehr lange spazieren gegangen und ein Landarbeiter hat mir erzählt, dass meine Vorvorfreiwillige auch immer spazieren war. Irgendwie finde ich es schön, zu erfahren, was meine Vorgängerinnen so gemacht haben und manchmal hätte ich echt Lust, sie kennenzulernen.
Auf dem Weg kam dann der Mann meiner einen Gastschwester vorbei, der mir gesagt hat, dass es gefährlich ist, wenn ich so weit weg spaziere.
Also bin ich umgekehrt und meiner einen Lehrerin begegnet, die mit ihren Töchtern auf dem Spielplatz war. Sie meinte auch, dass es besser ist, wenn ich mit anderen spazieren gehe und nicht alleine bin. Sie musste das auch erst mal lernen, als sie hierher gezogen ist, aber die Dorfbevölkerung hat sie mehrfach gewarnt, also hat sie lieber darauf gehört.
Jetzt muss ich nur noch Menschen finden, die mit mir die Umgebung erkunden wollen :D
Denn die ist wirklich wunderschön!!! Es gibt hier so viel zu sehen, es fliegen immer wieder Adler über uns und riesengroße Schmetterlinge und es gibt soo viele Blumen.
Ein Vogel Blumen Blumen Blumen Blick auf Teremendo Die Lagune bei Teremendo Die Lagune bei Teremendo Landschaft Links liegt Tarehuicho, rechts Teremendo


„Hörst du das Wasser kommen?“
Wie ihr ja sicherlich schon gemerkt habt, kommen meine Blogeinträge immer mit einiger Verspätung. Das liegt daran, dass es außer in der Prepa im gesamten Dorf kein Internet gibt. Und auch in der Prepa grenzt es eher an ein Wunder, wenn die Google-Startseite erscheint.
Jetzt gerade ist Sonntag, der 07.10., und ich sitze hier in meinem Zimmer.
Am Donnerstag vor 10 Tagen lud mich ein Mädchen für das gesamte Wochenende auf ihr Rancho ein. Teremendo ist ein Dorf, ein Pueblo und seit ich in Tzintzimacato, dem Rancho war, kommt mir Teremendo echt groß vor! Das Wort Rancho steht für ein paar Häuser, die nebeneinander erbaut wurden, es ist also so eine Art Minidorf.

Am Freitag packte ich dann in aller Schnelle Klamotten für vier Tage ein und stieg mit Vicky in den Bus nach Tzintzimacato, das ein paar Täler weiter liegt.
Dort stellte ich fest, in was für einem Luxus ich lebe. Denn dort gab es überhaupt kein Wasser, wenn es auf war, war es auf. Am ersten Morgen wollte ich gerne duschen, das war aber leider nicht möglich, da gerade kein Wasser da war. Manchmal stand ein Eimer neben dem Klo, dann konnte man spülen, manchmal nicht... Duschen bedeutete, dass ein Eimer Wasser über dem Feuer erhitzt wurde und man sich mit einem Becher Wasser über den Körper gegossen hat.
Vicky schläft mit zwei ihrer Schwestern in einem Bett (allerdings ist ein Bett hier größer als in Deutschland. Es ist quasi so ein Zwischending von Einzelbett zu Doppelbett), für mich haben die drei aber auf dem Boden geschlafen und mir das Bett überlassen.
Am Samstagvormittag wurde mir die Umgebung von Tzintzimacato gezeigt und die ist wirklich wunderschön!
Die Lagune bei Tzintzi Estrella (die Blüten kann man essen) Die Lagune
Am Samstagnachmittag waren wir dann Holzsammeln, damit wir am Abend ein Feuer machen konnten. In dieses Feuer wurden dann Maiskolben gesteckt und das alles wurde angezündet und nachher wurde der Mais gegessen.
Mir hat das sehr viel Spaß gemacht!
Maisfeuer
Am Sonntag habe ich mit Vicky, einer ihrer Schwestern und Familienmitgliedern ihrer Großfamilien einen „día del campo“ gemacht. Das heißt, wir sind mit ein paar Trucks mitten in die Wiesen und Felder gefahren, wo es keine Straßen mehr gab.
Dort wollten wir dann picknicken, allerdings meinte Vicky auf einmal zu mir: „Hörst du das Wasser kommen?“ Das hatte sie am Vortag auch schon gesagt. Es ist wirklich krass, wie man den Regen kommen hört und sieht. Zwei Tage zuvor habe ich mit ein paar Kindern auf der Straße gespielt und auf einmal regnete es an der Plaza und bei uns noch nicht. Als der Regen dann immer näher kam, fingen wir an vor dem Regen wegzurennen und kamen gerade noch rechtzeitig ins Haus.
An diesem Sonntag dann, packten wir schnell alles wieder ein und setzten uns dann ins Führerhäuschen, um nicht nass zu werden.
Anschließend spannten wir eine Plane auf, unter der wir saßen und aßen. Es wurde wieder ein Maisfeuer gemacht und ich habe zum ersten Mal Corundas gegessen. Das ist eine feste Maismischung, die echt gut schmeckt.
Gegen 5 Uhr sind wir wieder zurückgefahren und dann wurde sich schick gemacht, denn auch in Tzintzimacato geht die Jugend sonntagabens auf die Straße. Wir sind zu einem Laden gegangen, in dem wir Tacos und Tortas (mexikanisches Sandwich) gekauft haben. Dann saßen wir auf einer Mauer herum und haben auf männlichen Besuch gewartet. In Tzintzimacato gibt es nämlich keine Plaza als allgemeinen Treffpunkt.
Irgendwann saß ich im Zimmer und habe mich mit Vickys Mutter unterhalten, die mir erzählt hat, dass sie weiß, wie gerne Vicky Jura studieren würde und es täte ihr furchtbar leid, aber sie können es sich einfach nicht leisten, dass Vicky studiert. Der Vater arbeitet auf dem Feld und was er heimbringt wird gegessen oder verkauft. Und die Mutter versucht durch Brotverkaufen in Morelia noch ein wenig Geld dazuzuverdienen. Ich fand das total schrecklich und in dem Moment wollte ich echt heulen, weil das so unfair ist. Ich denke, das hat die Mutter gemerkt, denn sie meinte dann: „Wir sind zwar arm, aber ich habe im Fernsehen gesehen, dass in Afrika die Menschen hungern und manchmal ihre eigenen Kinder essen. Also sind wir nicht so arm. Wir haben Essen und ein Haus.“
Am Montag waren wir wieder Holz und Mais sammeln und haben am Abend noch einmal ein Maisfeuer gemacht. Es war an dem Tag übrigens schulfrei.
Dann war meine Zeit in Tzintzimacato auch schon wieder vorbei.
Am Dienstag sollte ich um 8 in der Prepa sein, um den „desfile“ mit vorzubereiten. Allerdings gab es nichts zum Vorbereiten. Um 9 sollte der „desfile“ losgehen, allerdings sind wir hier in Mexiko, deswegen stellten wir uns erst so gegen 10 auf und marschierten dann los. Ich bekam wieder die Friedensflagge in die Hand gedrückt und musste den Befehlen der ersten Eskorte gehorchen.
Wir desfilierten übrigens, weil Día del Ejido war, also so etwas wie Erntedankfest.
Nach dem desfile wurde wieder ein paar Mal die Nationalhymne gespielt und dann bin ich mit ein paar Mädels um die Plaza gelaufen und habe mit ihnen verabredet, dass sie mich um 4 zum Stierkampf abholen.
Anschließend war ich noch ein wenig mit einer Lehrerin auf der Plaza und habe der Banda zugehört.
Um 4 lief dann eine Banda spielend durch's Dorf und vor der Banda tanzten Menschen den „Stiertanz“. Sie hatten einander die Arme umgelegt und hüpften schreiend Richtung Arena. Das war dann der allgemeine Aufruf, um sich auf den Weg zu machen.
Ich wurde einigermaßen pünktlich abgeholt und im Torril spielte dann die Banda. Es wurde immer ein Stier zurzeit in den Torril geführt und in einen Käfig gesperrt. Dort wurde er dann von ziemlich vielen Männern bearbeitet, bis er bereit zum Ritt war. Einer der Männer kletterte dann in den Käfig, setzte sich auf den Stier und dann wurde das Tor ganz schnell geöffnet und der Stier führte seinen „Tanz“ auf und der Mann durfte nicht abgeschmissen werden.
Die Stierkämpfer Im Käfig Im Käfig Raus aus dem Käfig Er hat es verhältnismäßig recht lange ausgehalten
Allgemein ist der Stierkampf hier wohl ein sehr gesellschaftliches Ereignis, man trifft viele Leute und es wird viel getrunken. Auch mir wurden drei Bier angedreht.
Gegen halb 8 war der Stierkampf vorbei und die Banda zog wieder zurück ins Dorf zur Plaza. Diesmal tanzte ich auch vorne mit dabei. Anschließend tanzten wir noch ein bisschen auf der Plaza und ein Typ zeigte mir, wie man zur Banda tanzt.
Dann sind wir alle nach Hause gegangen, um uns für den „Baile“ (Tanz) am Abend schick zu machen.
Um viertel nach 9 ging ich dann mit meinen  Gastschwestern auf die Plaza, da ich nicht, wie eigentlich geplant von den Mädchen, die ich beim Stierkampf kennengelernt habe, abgeholt wurde.
Die traf ich dann jedoch auf der Plaza und ging mit ihnen zum „Baile“, wo ich nicht lange alleine war, denn sofort kam ein Junge auf mich zu und tanzte mit mir. Mittlerweile wusste ich ja ungefähr, wie man richtig tanzt.
An dem Abend habe ich dann insgesamt mit vier Partnern getanzt und es war eindeutig lustiger als in irgendeiner deutschen Disko. Am längsten habe ich mit meinem allerersten Tanzpartner getanzt, der mir das Tanzen „beigebracht“ hat und er hat mir dann auch zwei Bier ausgegeben.
Ich habe blöderweise vergessen, dass ich in einem Dorf bin und so fragte mich am nächsten Tag in der Schule so gut wie jeder, ob ich jetzt einen Kater hätte, ob ich mich überhaupt noch an gestern erinnern könne usw...
Am Mittwoch war ich dann das erste Mal so richtig genervt, da ich wieder um 9 vor der Primaria stand und dort schon wieder Unterricht ausfiel und mir wieder niemand Bescheid gesagt hat. Somit hatte ich den Mittwoch fast gar nichts zu tun. Ich habe in der Prepa weiter die Wand angemalt.
Für den Nachmittag hatte mir ein Mädchen zugesagt, mich um 5 daheim abzuholen, damit wir auf einen Hügel neben Teremendo steigen, von dem aus man ganz Teremendo sieht. Als sie um 6 noch nicht da war, bin ich nicht mehr davon ausgegangen, dass sie noch kommt, doch um viertel nach 6 stand sie tatsächlich vor der Tür.
Wir haben noch 4 weitere abgeholt und Tequila und Refresco gekauft und sind dann hochgestiegen. Dort haben wir dann Limonen gegessen und das Tequilagemisch getrunken. Es wurde an sich noch ein recht lustiger Tag.
Am Donnerstag hatten wir wieder schulfrei und ich hatte den ganzen Tag eigentlich nichts zu tun und bin alleine spazieren gegangen und habe mir gedacht, dass das so nicht weiter gehen kann. Theoretisch war ich nämlich für den Donnerstag verabredet, aber natürlich kam das Mädchen nicht.
Am Freitag stand in um 9 vor der Secundaria, um dort zum ersten Mal zu unterrichten, aber aus mir unbekannten Gründen fand dort kein Unterricht statt. Dann bin ich zur Prepa gelaufen, hatte zum ersten Mal seit über einer Woche wieder Internet und saß alleine in der Direktion, weil beide Direktorinnen nicht da waren.
Irgendwann fragte mich die Englischlehrerin, ob ich ihr nicht helfen könne, die Hefte der Schüler zu korrigieren, was ich dann auch getan habe. Allerdings sehe ich keinen Sinn darin, Dinge als richtig abzuhaken, die grundlegend falsch sind wie zum Beispiel „we am“ oder „he not are is not“. Vielleicht ist es jetzt meine Schuld, wenn die Schüler auf einmal schlechtere Noten bekommen, aber wie sollen sie denn sonst gescheit Englisch lernen??
Nach der Schule saß ich noch mit ein paar Mädchen auf der Plaza und habe mit ihnen verabredet, dass wir am nächsten Wochenende in einem anderen Dorf schwimmen gehen und ich sie am Sonntag auf ihrem Rancho besuche.
Dann habe ich ungefähr 2 Stunden lang Wäsche gewaschen und bin dann zur Agencia de Correos (Post) gegangen und habe herausgefunden, dass es möglich ist, mir Briefe zu schreiben ;)
Danach habe ich mich entschieden, die Gastmutter meiner Vorgängerin zu besuchen, da meine Vorgängerin in ihrem Brief geschrieben hat, dass mir dort immer die Tür offen stehen wird. Und so war es auch.
Sie hat mir Mais angeboten und wir haben uns lange unterhalten.
Anschließend hat sie mich noch bis zur Plaza begleitet, wo ich dann zwei Mädchen begegnet bin, die mich irgendwann in ihr Haus gebeten haben, als es zu kalt zum Draußenstehen war. Dort habe ich dann noch einmal Mais gegessen, diesmal aber mit Mayonnaise und das schmeckte auch sehr gut.
Irgendwann bin ich dann nach Hause gegangen. Und nein, dort habe ich keinen Mais gegessen ;)
Gestern Morgen bin ich aufgestanden, habe mich geduscht. Ich habe mich mittlerweile tatsächlich dran gewöhnt, kalt zu duschen.

Danach habe ich gefrühstückt (Rührei mit Bohnen), habe meine Wäsche abgehängt, lange mit meiner Familie telefoniert und bin dann wieder in die Küche gegangen. Dort wurde mir dann gleich ein Maiskolben in die Hand gedrückt.
Am Nachmittag bin ich mit ein paar Mädchen nach La Alberca gefahren, das ist ein Rancho hier in der Nähe, denn dort fand ein Stierkampf statt.
Von dem Stierkampf habe ich nicht so viel mitbekommen, da wir recht schnell ein paar Typen aus La Alberca kennengelernt haben, und der eine hat mich kaum noch losgelassen, was mir sehr unangenehm war.
Glücklicherweise sind wir irgendwann wieder gefahren.
Danach stromerten wir nur noch durch Teremendo, die anderen Mädels haben ständig irgendwelche Typen aufgegabelt und mit denen rumgemacht. Das war mir sehr fremd, teilweise hatten sie nämlich mindestens einen festen Freund.
Ich kam mir an dem Abend dann doch etwas  fehl am Platz vor, weil ich keine Lust mehr auf Bier hatte und mir ziemlich kalt war. Trotzdem habe ich den mir angebotenen Wodka abgelehnt. Ein Mädchen hat mich schließlich überredet, bei ihr zu schlafen, ich habe meiner Gastmutter Bescheid gesagt. Dieses Mädchen hat eigentlich einen Freund und hat dann trotzdem an dem Tag mit mindestens zwei anderen Typen geknutscht, der eine war ihr Cousin (der, der mir Tanzen beigebracht hat).
Ich erzähle das deswegen, weil das gerade bei mir so hängen geblieben ist und ich mich seitdem sehr unwohl fühle und mich frage, ob hier alle so drauf sind oder ob es hier nur Extreme gibt: meine Gastschwestern, die eigentlich nie rausgehen und die so erzogen wurden, dass sie, wenn sie jemanden kennenlernen, den auch heiraten und auf der anderen Seite diese Mädchen, die schon etliche Freunde hatten, haben und trotzdem noch weitere kennenlernen... Das kann doch nicht sein, oder??
Am liebsten würde ich gerade mit irgendjemandem darüber reden, aber ich will hier auch niemanden in Schwierigkeiten bringen. Denn jeder weiß hier immer sofort alles.
Blöderweise hat die Mutter des Mädchens das Mädchen gesehen und sie dann gefragt, wer die Typen bei uns waren.
Als ich dann gerade auf dem Klo war, hörte ich Schläge und ein unterdrücktes Streitgespräch. Natürlich kann ich hier nur mutmaßen.
In ihrem Zimmer habe ich das Mädchen, das sich die ganze Zeit zu einem Lächeln gezwungen hat, gefragt, was passiert ist. Sie meinte nur voller Hass: „Meine Mutter...“
Ich habe sie dann einfach in den Arm genommen und sie weinen lassen.
Dann haben wir uns zum Schlafen hingelegt, aber ich konnte nicht einschlafen. Mir gingen so viele Fragen und Bilder und und und durch den Kopf.
Heute Morgen haben wir dann gefrühstückt (Bohnen) und dann hat sie mich nach Hause gebracht. Ihre Mutter hat sie übrigens die ganze Zeit über ignoriert.
Ich war sehr froh, wieder zuhause zu sein.
Hier wurde ich dann gefragt, ob mich meine Freundinnen nicht zum „Baile“ heute Abend eingeladen hätten. Heute Abend ist also schon wieder ein „Baile“ und meine Lust hält sicher gerade total in Grenzen, nachdem ich den gestrigen Abend erlebt habe.
Diese Fragen: „Haben dich deine Freunde nicht eingeladen. Heute ist doch ein Stierkampf in Tzintzi.“ „Haben dich deine Freunde zum Baile nicht eingeladen?“ „Hast du Freunde?“ gehen mir total auf den Geist. Da fühle ich mich total unter Druck gesetzt, vor allem, da meine Definition für Freunde eine andere ist als die der Mexikaner, die ich kennengelernt habe. Hier ist ein Freund einfach nur jemand, mit dem man mal gesprochen hat.

Weitere Fotos:
Beim Stierkampf in La Alberca Desfile de la Independencia Desfile Nationalhymne

Endlich mal wieder ein richtiger Blogeintrag :)

Sonntag, 16.09.2012

Am letzten Samstag sind wir in Morelia gewesen und haben Handys gekauft und uns wurden so die wichtigsten Orte gezeigt, wie z.B. das Krankenhaus, die Migración und eine Shoppingmall. Außerdem wurde uns gezeigt, wo man das beste Gaspacho kaufen kann. Und dieses Gaspacho hier ist nicht zu verwechseln mit dem Spanischen Gaspacho. Hier bekommt man eine Art Obstsalat je nach Wahl mit Chili, Käse und Salz.
Am Abend sind wir noch mit einigen Mexikanern weggegangen. Zu meinem Entsetzen war die erwartete Bar eher ein Tanzlokal. Und angesichts der Tatsache, dass ich nicht tanzen kann, habe ich mich dann doch etwas fehl am Platz gefühlt.
Am Sonntag dann sind wir an den Lago de Pátzcuaro gefahren. Meinem Reiseführer zufolge ist das der schönste See Mexikos. Leider war bei uns der Himmel sehr bewölkt...
Von einer Anlegestelle aus sind wir mit dem Boot auf die nächstgelegene Insel Janitzio gefahren. Auf dem Weg sahen wir viele Fischer, die mit Schmetterlingsnetzen in ihren Booten saßen und gefischt haben. Es hat sich jedoch herausgestellt, dass das nur eine Touristenattraktion ist und die Fischer dort nur sind, um ein schönes Panoramabild zu erzeugen.
Lago de Pátzcuaro Janitzio
Auf der Insel sind wir dann hochgestiegen bis zu der Statue von José María Morelos, Mexikos Freheitskämpfer.
Die gesamte Insel war sehr touristisch, von überall wollten die Menschen einem Sachen verkaufen.
Blick von der Statueplattform über die Insel
Einer unser mexikanischen Begleiter hat mir empfohlen, „lote“ zu essen (lote ist Mais), was eine Mais-Käse-Creme-Mischung war und sehr lecker geschmeckt hat.
Irgendwann sind wir dann wieder an Land und nach Pátzcuaro gefahren, eine Stadt, die etwa 60 km von Morelia entfernt ist und schon viel indianischer angehaucht ist.
Dort sind wir in ein Restaurant gegangen und haben dort gegessen. Das Essen war sehr deftig. Ich habe Hähnchen mit Mole (eine Schokoladen-Chili-Sauce) und Bohnen gegessen. Allerdings habe ich nicht alles essen können, so voll war ich.
La Plaza de Pátzcuaro Eine Straße in Pátzcuaro
Irgendwann sind wir wieder zurück nach Morelia gefahren. Am aufregendsten waren eigentlich die Fahrten zu den jeweiligen Busstationen, bzw. von dort zum Hostel. Da saßen wir nämlich zu 22. in einem Ford-Bus... Ein Teil der Gruppe ist nämlich mit dem Bus gefahren, der andere Teil mit besagtem Ford-Bus.
Als wir dann im Hostel waren, war es schon recht spät, wir mussten noch einen Fragebogen für Vivemexico ausfüllen und saßen dann noch im Hof herum.
Eine Mexikanerin hat Tacos mitgebracht, doch die meisten von uns waren noch sehr voll von dem Essen in Pátzcuaro, sodass nicht ganz so viel weggegangen ist.

Am Montag hatten wir noch einen Vortrag von CECyTEM (Colegios de Estudios Científicos y Tecnológicos del Estado Michoacán) und währenddessen kamen schon die ersten Direktoren um uns abzuholen, unter anderem meine Direktorin Ivonne. Ich habe mein Gepäck ins Auto geladen und dann sind wir erstmal zu den Bürogebäuden von CECyTEM gefahren, wo sie noch einiges zu erledigen hatte.
Anschließend ging es weiter nach Teremendo de los Reyes, das Dorf, in dem ich voraussichtlich das nächste Jahr leben werde.
Wir fuhren zu meiner Gastfamilie, die aus einer Mutter, 5 Kindern und der Verlobten meines ältesten Gastbruders besteht. Theoretisch habe ich noch eine Gastschwester, aber die lebt seit 12 Jahren mit ihrem Mann in Los Angeles. Mein Gastvater arbeitet seit einem Jahr in den USA und kommt nur zweimal im Jahr nach Hause.
Meine Gastfamilie hat Hühner, einen Hasen, ein Schwein, einen Hund und zwei Katzen.
Für mich war es am Anfang ein totaler Kulturschock und ich habe mich nur weggewünscht, weil ich einfach nicht verstanden habe, wie Menschen so leben können. Beispielsweise geht bis auf meine 14-jährige Gastschwester keine meiner Gastschwestern in die Schule und sie machen den Tag über nichts.
Und das sind Dinge, die ich nicht verstehe, bisher jedenfalls...
Ivonne hat mir versprochen, dass ich nach dem Jahr verstehen werden, wieso im Dorf so gelebt wird. Warum allerdings eine solche Diskrepanz zwischen der Stadt und dem Dorf in Mexiko besteht, wissen selbst die Mexikaner nicht.
Am Dienstag war ich zum ersten Mal in der Schule. Auf dem Schulweg begegneten uns Menschen auf und mit Pferden und Eseln.
Blick von der Prepa (rechts) Richtung Dorf La Preparatoria
Was ich ein bisschen unangenehm finde, ist, dass ich ständig angestarrt werde, wenn ich dann aber zuückschaue, dann kucken die Menschen in eine andere Richtung. Wenn ich grüße und lächel, bekomme ich meistens ein strahlendes Lächeln zurück und werde auch gegrüßt. Hinter meinem Rücken höre ich manchmal sowas wie: „Es la nueva alemana“ (Das ist die neue Deutsche).
Meine Direktorin hat gesagt, ich sei eine neue Generation, weil ich schon Spanisch könne (najaaaaaaa), die anderen Freiwilligen vor mir konnten wohl gar kein Spanisch. Allerdings verstehe ich nicht sonderlich viel und weiß viele Wörter auch nicht. Ich glaube nämlich nicht, dass sich hier irgendjemand über den Spanischen Bürgerkrieg, das Franco-Regime oder Lorcas „Bernarda Alba“ unterhalten möchte.
Trotz alldem fühle ich mich hier mittlerweile sehr wohl. Meine Gastfamilie ist sehr lieb und kümmert sich um mich. Sie freuen sich, wenn ich neue Sachen ausprobiere oder einfach nicht checke, wie man Tortillas richtig zusammenrollt.
Entgegen dem, was ich vor Mexiko gehört habe, gibt es hier nicht nur Bohnen!! Ich habe gestern erst zum zweiten Mal Bohnen gegessen, aber auch nur als Beilage. Allerdings muss ich mich noch daran gewöhnen, dass man hier nicht mit Besteck ist, sondern mit Tortillas. Wenn, dann gibt’s noch einen Löffel, aber mehr echt nicht.
Dass es keinen Sprudel gibt, habe ich mir vorher ja schon fast gedacht, aber dass in meiner Familie eigentlich kein natürliches Wasser getrunken wird, wusste ich nicht. Das Wasser wird immer mit irgendwelchen Früchten oder Blumen gemischt. Bisher gab's Limonen-, Gurken- und Jamaicawasser. Jamaica ist eine Blume.
Wie ihr seht, gibt’s hier noch einiges, woran ich mich gewöhnen muss...
In den letzten Wochen habe ich aber auf jeden Fall schonmal mehr „scharf“ gegessen, als in meinem ganzen Leben vorher.
...weil's einfach sein muss Die Straße von meinem Haus zur Plaza Die Plaza Straße nach Regen Spaziergang durch Teremendo El torril, im Hintergrund mein Dorf mit Kirche Pflanzen Blick auf mein Dorf ...irgendwoher müssen die Schmetterlinge ja kommen Blumen Pflanzen 2 raus aus dem Dorf :) Blick auf mein Dorf :) Kakteenbaum Baum Palme auf der einen Seite schien die Sonne, auf der anderen regnete es auf einmal... kein Wunder in der Regenzeit.
Gestern, am 15.09. war der Día de la Independencia (Unabhängigkeitstag), den ich in Teremendo verbracht habe. Meine Gastschwestern waren den ganzen Tag total aufgeregt. Wir (meine 14- und 18-jährige Gastschwester plus 2 Freundinnen) sind um 21:00 zur Plaza gegangen. Dort waren schon sehr viele Dorfbewohner. Viele haben „globos“ steigen lassen. „Globos“ sind aus papiergefertigte kugelartige Quadrate, die aufgeblasen werden. In den aufgeblasenen Innenraum wird ein Feuer gelegt, dass dafür sorgt, dass der „globo“ hochsteigt. Mit dem schwarzen Nachthimmel sieht das dann wirklich schön aus!
Ein Globo
Um 23:00 ging dann der „grito“ (Schrei) los. Der Dorfpräsident hat eine Rede gehalten, die Nationalhymne wurde zweimal gespielt, ein paar Mädchen haben pariert und dann wurden Feuerwerke losgelassen, mit Pistolen und Gewehren in die Lust geschossen und alle haben sich gefreut und „Viva México“ gerufen.
Heute Morgen war dann „desfile“ (Aufmarsch, Parade), ich musste in „Grün, Weiß, Rot“ kommen, und kam mir echt total komisch vor. Die Schüler waren alle in Uniform und dann ging es los! Ich lief hinter der ersten Eskorte der Preparatoria und musste eine weiße Flagge tragen und das war echt nicht leicht, denn gleichzeitig musste ich im Gleichschritt marschieren...
Nachdem wir eine halbe bis eine Stunde durch das Dorf marschiert sind, haben sich wieder alle auf der Plaza versammelt, dort wurde wieder „Vive Mexico“ gerufen, und alle Freiheitskämpfer sollen hochleben, zweimal gab's die Nationalhymne und dann haben noch einige Schüler einige patriotischen Texte vorgetragen, dann war's vorbei.
Ich denke, wenn ich nach Deutschland zurück komme, dann kann ich die mexikanische Nationalhymne besser als die Deutsche :D
Nach dem desfile bin ich mit meiner Direktorin und Subdirektorin nach Morelia gefahren. Eine Stadt ist echt was Tolles!!!
Dort haben wir Tacos gegessen. Anschließend bin ich mit dem Taxi zu Anna gefahren.
Morgen werden wir nach Morelia fahren, weil wir am Dienstagmorgen in die „Migración“ müssen, um unser Visum zu verifizieren und eine Aufhaltegenehmigung zu erhalten.

In Teremendo

Mittwoch, 12.09.2012

Seit vorgestern bin ich in Teremendo, meinem Dorf. Ich habe eine Gastfamilie. Der Vater arbeitet in den USA, die aelteste Tochter lebt seit 12 Jahren mit ihrem Mann in Los Angeles, dann habe ich einen verlobten Gastbruder, eine 26-jaehrige Gastschwester, eine 18-jaehrige, einen 16-jaehrigen Gastbruder und eine 14-jaehrige Gastschwester. Die Verlobte lebt auch in dem Haus.
Es wird ueber dem offenen Feuer gekocht und mit der Hand gewaschen. Warum der vorhandene Herd und die vorhandene Waschmaschine nicht verwendet werden, habe ich noch nicht herausgefunden.
Bisher habe ich hier noch keinen Anschluss gefunden, allerdings habe ich in der Schule auch noch nicht wirklich angefangen zu arbeiten.
Ich muss in der Preparatoria (Oberschule) die Englischlehrerin unterstuetzen und gleichzeitig pro Semester ein Projekt durchfuehren, das auch eine Art Unterrichtsfach ist. Mein Projekt soll "intercambio" (Austausch) sein, also der Austausch der mexikanischen und der deutschen Kultur. Mal sehen, wie das so laufen wird.
Ausserdem werde ich (hoffentlich morgen) in der Secundaria, der Primaria und im Kindergarten vorgestellt, damit ich auch dort arbeiten kann.
Meine Vorfreiwillige hat mir einen ganzen Karton mit Buechern und Materialien dagelassen, wofuer ich ihr sehr dankbar bin.
Des Weiteren hat sie mir einen Brief geschrieben, in dem steht, was sie hier so gemacht hat.
Jetzt hoffe ich einfach, dass ich bald anfange zu arbeiten, mehr Leute kennenlerne, Anschluss und Freunde finde.
Sobald ich Bilder habe, werde ich sie auf den Blog stellen.

Gestern und heute

Sonntag, 09.09.2012

Ich schließe mal am letzten Blogeintrag an.
Die Willkommensparty war schön, allerdings wurde ich so ab 22:00 richtig müde, weswegen ich auch um 24:00 ins Bett gegangen bin.
Die Mexikaner sind aber sehr nett und haben uns den ganzen Abend mit mexikanischen Gerichten gefüttert.
Gestern bin ich mit ein anderen Freiwilligen durch Morelia gelaufen, was sehr schön war.
Hier ein paar Bildchen:
Historisches Zentrum Straße in Morelia
Außerdem waren wir gestern morgen auf dem Markt und haben Essen gekauft. Das war richtig toll. Ein Händler hat uns eine Mango geschält und zum Probieren auf ein Messer gespießt, sodass wir sie einfach abessen konnten.
Schärfstes Chili Mexikos Mangos Früchte
Gestern waren Anna (eine Mitfreiwillige) und ich noch in einem Bistro essen. Wir haben Pambazo gegessen.
Anna mit Pambazo
Heute Nachmittag waren wir in Morelia unterwegs, haben Handys gekauft, das Krankenhaus gesehen und waren in einer Mall.
Am Abend waren wir vor der Kathedrale, wo ein Feuerwerk stattfand und anschließend eine Tanzgruppe aufgetreten ist.
Morelia bei Nacht Feuerwekr über der Kathedrale
So, jetzt ess ich dann mal zu Abend :)


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